Buchhandel trifft Verlag: Indiebookday

Der Indiebookday: Eine rundum gelungene Erfolgsgeschichte? mairisch-Verleger Daniel Beskos, aus Hamburg angereist, stellte zusammen mit seiner Kollegin Stefanie Ericke die, in eigenen Worten, verrückte Idee vor, im Jahr 2013 einen Tag für unabhängige Bücher auszurufen. Als Termin wurde der Samstag nach der Leipziger Buchmesse herausgesucht. Schnell war eine Webseite aufgesetzt, eine Facebook-Veranstaltung initiiert: Sagenhafte 42 Euro, mehr hat es für die Durchführung der so einfachen wie genialen Idee nicht gebraucht. Ein bisschen scheint Beskos selbst noch überrumpelt davon, welche Wellen der Indiebookday geschlagen hat: Knapp 2.000 TeilnehmerInnen im ersten Jahr, Presseanfragen, sogar ein BuchMarkt-Award – hier wurde ein Nerv getroffen mit der so einfachen wie schönen Idee, Aufmerksamkeit für schöne, hochwertige und besondere Bücher zu schaffen.

Das Publikum in Gerrit Schoofs Buchhandlung »Der Zauberberg« – zur Hälfte dann auch mit KollegInnen aus dem Sortiment besetzt – zeigte sich hochinteressiert und zollte Beskos und Ericke Respekt für die spontane und mutige Aktion. Im Zentrum der Diskussion standen daraufhin vor allem zwei Aspekte: Wie kann der Indiebookday – in den sozialen Netzwerken und aus Gründersicht eine Erfolgsstory – noch stärker im lokalen Buchhandel ankommen, und lässt sich die Begrifflichkeit, was denn nun »Indie« genau ausmache, vielleicht nicht etwas trennschärfer formulieren? Tatsächlich ist die Kundenperspektive, wie mehrere Stimmen aus dem Buchhandel zu bedenken gaben, in weiten Teilen dem Indie-Gedanken fern: Schaufenster werden kaum länger betrachtet, Nachfragen kommen so gut wie keine. Wäre es ratsam, hier noch stärker einzelne Aspekte des Büchermachens zu betonen, die gerade für die unabhängigen Verlage ja eine große Rolle spielen? Von guter Resonanz wussten diejenigen zu berichten, die am Indiebookday durch Veranstaltungen und Specials wie VerlegerInnen am Tresen den Ball weitergespielt haben – Beskos und Ericke nahmen das Feedback mit großem Interesse auf.

Bei der Definitionsfrage blieb die Diskussion unentschieden: Zeichnet Indiebücher einfach das Besondere, nicht der zwingenden Marktlogik Folgende aus, das man schon daran erkenne, dass der Verleger, wie Beskos es formulierte, »zu jedem Buch eine Geschichte erzählen kann«? Oder sollten die Kriterien nicht doch konkreter gefasst werden? Damit denn auch Klarheit herrsche, was denn nun ein Independent-Verlag sei, und damit man beim Kauf ja nichts falsch mache, könne doch auf der Aktionsseite eine Begriffserklärung oder Verlagsliste untergebracht werden – oder gleich eine Verknüpfung mit Indie-Institutionen wie HOTLIST oder Kurt-Wolff-Stiftung. Hier verwehrte sich Beskos entschieden dem Eingriff in die bewusst locker gefasste Grundidee: Lieber selber machen, oder die Unschärfe als Anstiftung zur Diskussion nutzen!

Deutlich zeigte sich: Der Buchhandel ist interessiert, die Aktion weiter in seine Räume zu tragen. Um das noch besser zum Gelingen zu bringen, wird auch Beskos einige neue Anregungen mit nach Hamburg nehmen.