NaNe-Party 2017

Was macht einen richtig guten Lektor aus? Im Buchhändlerkeller stand zu diesem Thema am 8. Februar 2017 jemand Rede und Antwort, der sich auskennen muss: Raimund Fellinger ist seit 1979 im Suhrkamp Verlag tätig, war u.a. für die edition suhrkamp zuständig. Inzwischen ist er der Cheflektor im Haus und kann auf die Zusammenarbeit mit so illustren Autoren wie Uwe Johnson, Peter Handke und Thomas Bernhard zurückblicken.

NaNe-Party mit Raimund Fellinger

Im Gespräch mit Fabian Thomas schilderte er zunächst einen typischen Arbeitstag im Verlag: Nach einem Arbeitstreffen mit Albert Ostermaier in München hatte Fellinger, der noch einen Wohnsitz in Frankfurt hat, einen Tag voller Konferenzen mit den Kollegen von Suhrkamp in der Pappelallee. Um die Gestaltung künftiger Vertretersitzungen ging es, das Herbstprogramm 2017 und den schon bald in den Buchhandlungen erhältlichen neuen, großen Roman von Christoph Hein („Trutz“), für den ein neuer Klappentext geschrieben werden musste. Die Details zählen: Gerade in einer kurzen Inhaltsangabe ist es immens wichtig, die richtigen Worte zu finden.

Und wie sieht es nun aus mit den Qualitäten guter Lektorinnen und Lektoren? Das Zauberwort lautet Empathie. LektorInnen müssen, folgt man Fellingers Argumentation, einfühlsam im besten Sinne sein: Vorschläge, Verbesserungen, Ideen gilt es vorzubringen – wobei aber stets die AutorInnen das letzte Wort haben. Der größte Fehler, den LektorInnen machen können, ist, es sich über die AutorInnen zu stellen. Sind die Meinungsverschiedenheiten im Ernstfall unüberbrückbar, müsse man eben auf das Erscheinen eines Buches verzichten.

Interessant wurde es auch in der Frage der »Treue« im Autoren-Lektoren-Verhältnis: Während die Klassiker wie Johnson und Bernhard in großangelegten Werkausgaben für die Nachwelt verfügbar gemacht werden, ist es heute oft gar nicht mehr so einfach, eine Autorin, einen Autor mit seinem ganzen Werk zu verlegen – auch wenn dies immer noch das erklärte Ziel des Suhrkamp-Lektorats ist. Dem entgegen stellen sich mitunter die AutorInnen selbst, die einen Wechsel von Verlag zu Verlag zunehmend unproblematisch sehen; aber auch ganz konkrete Rahmenbedingungen wie die Reformierung des Urheberrechts, nach der AutorInnen ihre jeweiligen Werke nach einer Frist wieder aus dem Verlag herauslösen können, erschweren das Zusammenhalten eines Werks.

Zuletzt entpuppte Raimund Fellinger sich selbst noch als heimlicher Verleger: Der Korrektur Verlag mit Sitz im österreichischen Mattighofen hat sich auf die Fahnen geschrieben, »alles, das mit Thomas Bernhard zusammenhängt« zu veröffentlichen, so also Titel, die zu speziell für Insel oder Suhrkamp oder eher in einer kleineren Auflage gedacht sind. Ein Liebhaberprojekt, für das Raimund Fellinger seine rare Freizeit gerne opfert – »Man gönnt sich ja sonst nichts!«

Der Abend schloss wieder mit dem beliebten NaNe-Literaturquiz – so konnte man sich live den Kopf zerbrechen, was noch einmal genau eine »Punze« ist und wann eigentlich die SPIEGEL-Bestsellerliste das erste Mal veröffentlicht wurde. Das Siegerteam konnte sich über einen reich gefüllten »Jute-Bücher«-Beutel freuen – als Trostpreis winkten bunte Schokoladetäfelchen für alle – so musste niemand traurig nach Hause gehen!